Solidarität mit den Protesten in Frankfurt und der Türkei

Am heutigen Tag fanden in Marburg mehrere Flashmobs sowie eine spontane Demonstration statt. Anlass war die ausufernde staatliche Gewalt bei den Demonstrationen in der Türkei und der Blockupy-Demonstration in Frankfurt am vergangenen Wochenende.

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Nach eigener Schätzung etwa 200 Personen fanden sich trotz der sehr kurzen Mobilisierungsdauer von nur knapp einem Tag gegen 14 Uhr vor der Mensa ein.

bild2Wir danken allen Beteiligten für ihr Engagement und rufen auch weiterhin zum Kampf gegen neoliberale Krisenpolitik, Unterdrückung und Polizeigewalt in allen Teilen und Ländern der Welt auf.

Pressemeldungen:

Oberhessische Presse
[m]ittelhessen.de
RTL Hessen

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Ein paar Worte über Wutbürger

Am vergangenen Samstag fand unter dem Motto „Wir sind sehr wütend“ eine Demonstration des Krisenbündnisses Marburg statt. Begleitet von einem Großaufgebot der Polizei zogen etwa 250 Personen (1) durch Marburg und brachten ihren Unmut über die herrschenden Zustände zum Ausdruck.

Über die Demonstration selbst brauchen wir hier nicht zu berichten: Sie fand ein weites Echo und wurde in einer Vielzahl von Medienberichten ausreichend behandelt. Vielmehr wollen wir hier wiedereinmal auf die zersetzerischen Tendenzen und die Spalterei innerhalb der Linken Szene hinweisen.

Ihr seid peinliche Wutbürger!

Mit diesem Vorwurf auf der Facebook-Seite zur Demonstration, vorgebracht von einem Vertreter der antideutschen Szene, begann eine längere Diskussion über den Sinn und Unsinn dieser Demonstration.

Als objektiver Betrachter stellt man sich als erstes natürlich die Frage, wieso „Wutbürger“ zu sein peinlich sein soll(te). Ein Wutbürger ist, wie jeder im Duden nachschlagen kann, jemand der öffentlich sehr heftig protestiert und demonstriert. Warum demonstrieren und protestieren schlecht bzw. peinlich ist, dafür wird die Erklärung gleich mitgeliefert:

Wer denkt, ist in aller Kritik nicht wütend: Denken hat die Wut sublimiert. -Adorno

Wenn wir das jetzt zusammensetzen und den Umkehrschluss ziehen, ergibt sich folgende Aussage: Wer (heftig) demonstriert bzw. wütend ist, hat nicht vernünftig nachgedacht. Das diese Aussage Müll ist, ist offensichtlich: Man kann auch nachdenken, über das Ergebnis sehr wütend sein und dann dafür demonstrieren. Jedem Demonstranten abzusprechen, vorher gründlich über sein Anliegen nachgedacht zu haben, ist an sich schon eine Frechheit. Wir wollen uns aber fragen: Wieso verschwendet die Antideutsche Szene ihre Zeit damit, auf facebook unter dem Aufruf zu einer Provinzdemo herumzuragen? Und vor allem: Was liegt ihnen daran, eine andere (linke) Demonstration niederzumachen, anstatt sich mit in jeder Beziehung wichtigeren Problemen zu befassen oder sich am Ende gar konstruktiv zu beteiligen?

Die Antwort auf diese Frage liegt tief in der Beschaffenheit der Antideutschen Szene. In Marburg, mehr noch als irgendwo sonst, gefällt man sich als Antideutscher in der Opferrolle: Man weint gerne exzessiv herum wie schlimm einen die Marburger Szene mobbt, man erklärt gerne allen Anderen die Welt (mit Adorno Zitaten) und man tut gerne so, als habe man persönlich die Weisheit mit Löffeln gefressen und müsse sie dem Rest der Welt bröckchenweise einflößen. In guter Adorno-Manier hält man sich für kompromisslos Überlegen, verbarrikadiert sich im Elfenbeintürmchen und pinkelt von da oben ausnahmslos allen Anderen auf den Kopf.

Das bislang ist schade. Traurig wird es, wenn man bedenkt, dass sich diese Elfenbein-Antideutschen selber als politisch „links“ bezeichnen, und zwar aus 3 Gründen:

a) endeckt man inhaltlich nichts Linkes an antideutscher Theorie. Linkssein bedeutet in letzter Konsequenz, eine herrschaftsfreie Ordnung anzustreben und die Bedingungen für eine Gesellschaft der Freien und Gleichen zu errichten. Ob dies nun innerhalb der bürgerlichen Gesellschaftsordnung von SozialdemokratInnen oder demokratischen SozialistInnen angestrebt wird, eine neue Gesellschaftsordnung errichtet werden soll wie es KommunistInnen möchten oder nur punktuell Verbesserungen erkämpft werden sollen (FeministInnen, Grüne etc.) – all das ist erstmal egal, die Grundtendenz geht in die gleiche Richtung. Was von alledem ist in antideutscher Rhetorik herauszulesen? Ihnen geht es allein um das Standing der Nation Israel – was erstmal auch nichts Schlechtes ist, in so verabsolutierter Form wie bei Antideutschen verschwimmt dann aber die Grenze zwischen politischer Vernunft (Recht der Juden auf einen eigenen Staat) und ethnischen Rassismus (jede Maßnahme Israels ist gerechtfertigt, um ihre Herrschaft gegenüber den arabischen Palästinensern zu verteidigen). Vielleicht geht es ihnen auch noch in guter antideutscher Tradition um die reale Zerstörung der deutschen Nation, die Verwirklichung des Morgenthau-Plans (2). Das wird dann mit dem in der deutschen Volksseele angeblich  tief verwurzelten Antisemitismus begründet – eine Denkweise, die wieder dem Rassismus gleicht.

b) besteht ihre Theorie der Form nach, gelinde gesagt, stets aus intellektueller Onaniererei. Ihre Texte können nur von Insider der politisch-studentischen Szene verstanden werden . Das gleicht sie zwar wieder mit ihrem Messias Adorno, macht es aber nicht besser, wenn man bedenkt, dass Adorno wohl mit Absicht so geschrieben hat, dass möglichst nur ein kleiner Kreis der Bevölkerung ihn verstehen konnte. (Was im Übrigen auch vollkommen nachvollziehbar ist, wenn man bedenkt, dass seine auf einen Satz runtergebrochene Botschaft der Dialektik der Aufklärung ist: „Ich bin superklug, das Volk aber ist dumm.“). Diese Kritik ist natürlich nur insofern traurig, dass sich diese vom einfachen Volk derart entfremdeten Pseudointellektuellen „links“ nennen. Prinzipiell ist ihre verdrehte Schreibweise super, denn so bleibt der entscheidende Hauptteil der Bevölkerung von ihren reaktionärenThesen verschont.

c) haben es diese Antideutschen, zumindest in der studentisch-linken Szene, geschafft, den jahrzehntelangen antiimperialistischen Konsens in der politischen Linken zu brechen. Das ist auch das eigentlich Traurige, denn ihr Bestreben ist es, die deutsche Linke von ihren eigentlichen GegnerInnen – das ökonomisch herrschende Großkapital und ihre Vertreter und Meinungsmacher in Politik, Medien und Armee – abzulenken. Zu bekämpfen ist nunmehr irgendein abstrakter struktureller Antisemitismus in einem noch abstrakteren deutschen Volkskörper. Statt Klassenkampf also „Wertkritik“, statt soziale und demokratische Interessensvertetung die Renaissance völkischen Denkens, statt die Verteidigung der eigenen linken Vergangenheit mit all ihren Kämpfen, Erfolgen und Niederlagen dessen Diffamierung als „strukturell antisemitisch“. Die Konsequenz: Das Großkapital hat es endlich geschafft, die deutsche Linke zu entzweien, den antiimperialistischen und antifaschistischen Grundkonsens aufzubrechen, die Massen über das Verhältnis zu ihren Herrschern zu verwirren.

Besonders b) hat dazu geführt, dass die Antideutsche Szene, sowohl in Marburg als auch in Restdeutschland, weitgehend isoliert dasteht und als Haufen großkotziger Theoretiker von niemandem mehr ernst genommen wird. Anstatt aber zu versuchen, diesen Zustand zu verändern, die eigenen Anliegen schon bei der Planung der Demonstration einzubringen und wie alle anderen Organisationen im Krisenbündnis zusammen zu arbeiten, holt man sich eine flauschige Decke und macht es sich in der Opferecke gemütlich. Es ist ja auch viel einfacher, allen Anderen ihre Fehler vorzuhalten, anstatt sich selber zu beteiligen. Es ist viel einfacher, alle anderen Antisemitismus (bzw. wenn das zu abwegig ist: „strukturellen Antisemitismus“) vorzuwerfen, anstatt selber irgendetwas auf die Beine zu stellen. Man hat selber 0 Mobilisierungspotential, man ist selber am dogmatischsten und man ist selber am Wenigsten bereit den kleinsten Kompromiss einzugehen. Tja, da wirft man lieber Allen die versuchen die Welt zu verändern vor, peinliche Wutbürger zu sein, anstatt das eigene Versagen einzugestehen.

Schade und traurig.

Einzelnachweise

(1) http://www.op-marburg.de/Lokales/Marburg/Demonstration-endet-mit-vier-Festnahmen

(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Morgenthau-Plan

Blog offiziell eröffnet

Wie für Studentenstädte üblich, blüht auch in Marburg die „linke Szene“. Hier, im mehr oder weniger ländlichen Idyll, tummeln sich Antideutsche, Antifas, Feministen, Anarchisten, Ökos und Anhänger sonstiger linker Randgruppen  in trauter pseudo-Harmonie. Denn, wie immer wenn zu viele Linke auf einem Haufen sitzen, werden ihre Ideen und Forderungen von Tag zu Tag weltfremder und weniger konsensfähig. Jeder im Glauben die absolute Wahrheit erkannt zu haben, zerspaltet man sich bei der Diskussion über absolut unwichtige Fragen und verliert das eigentliche Ziel völlig aus den Augen.

Ein wunderbares Beispiel für diese Situation bietet das Studierendenparlament. Anstatt große, fortschrittliche Parteiblöcke zu bilden, existieren haufenweise kleine Splitterparteien mit minimalen Unterschieden (1). „Grün Linke Aktion“, „Grüne Ökologische Liste“, „Grün-bunt alternative Liste“ – kann mir jemand den Unterschied erklären? Vermutlich nicht. Öko sind sie alle, wählen sollte man vermutlich keine.

Es ist der traurige Schlussakt linker Politik: Anstatt gemeinsam voranzuschreiten, meint jeder selbsterklärte Politikversteher seine eigene Chaotentruppe starten zu müssen. Keiner ist bereit im Diskurs eine gemeinsame Lösung zu finden. Ganz wie im Kindergarten: „Wenn ihr nicht macht was ich will, spiele ich nicht mehr mit!“ Der Otto-Normalwähler kann da nur den Kopf schütteln und verzweifelt nach einer Alternative suchen. Und landet dabei leider viel zu häufig beim RCDS.

Dafür gibt es jetzt uns: Mit marxistischer Vernunft gönnen wir euch selten rationale Einblicke in das linke Marburg. Unsere Waffe der Kritik und tugendhafter Pöbelei richtet sich deshalb in erster Linie gegen den Klassenfeind in all seinen Variationen (Kapitalisten, Faschisten, Kriegstreiber, staatstragende Politiker), aber auch gegen die unbewussten Agenten des Klassenfeindes: Antideutsche, linke Antikommunisten, Hippies, Idealisten, Individualisten, pro-imperialistische Menschenrechts-Ideologen. Wir kommentieren sowohl das internationale Tagesgeschehen als auch die Lokalpolitik. Wir entlarven sinnloses Antideutschtum genauso wie lächerliches Öko-Gutmenschentum. Wir sprechen für die Linke, die nicht irgendwo zwischen Drogenkonsum und Gender-Mainstreaming wichtige Mengen an Hirnzellen vorloren hat. 1989/90 ist nicht das Ende der Geschichte. Wir prügeln die Vernunft wieder in die deutsche Linke mit dem Ziel, eine demokratische Gegenmacht zur neoliberalen Übermacht aufzubauen. Und vor allem haben wir Recht.

„Mag das Leben sterben: der Tod darf nicht leben.“ (Karl Marx)

Einzelnachweise
(1) Ergebnisse der StuPa Wahl vom 12.7.2012. Link. asta-marburg.de. Zugriff am 14. 1. 2013.